Bemerkenswert

Eine Yogalehrerausbildung ist kein Yoga-Retreat und das erste Fazit – das 2. Ausbildungswochenende

Wenn mir eines nach dem letzten Ausbildungswochenende klar geworden ist, dann, dass eine Yogalehrerausbildung kein Yoga-Retreat ist. Auf jeden Fall nicht unsere.

Für Menschen, die sich eingehend mit Yoga beschäftigen, viel Yoga (Asanapraxis) praktizieren und eine „lockere“ Zeit verbringen möchten und nicht vorhaben, YogalehrerIn zu werden, für die ist so eine eigentlich Ausbildung nicht wirklich was. Diese Ausbildung ist kein schöner „Yoga-Kurzurlaub“. YogalehrerIn zu werden bedeutet, sich vor allem auch aus dem Blickwinkel des Lehrers/In heraus, mit der Thematik zu befassen und zu erfahren. Denn wir werden einmal SchülerInnen haben und Verantwortung für sie tragen.

Als angehende Yogalehrerin wie mich wird eben eine solide Yogapraxis vorausgesetzt – in Eigenpraxis und/oder in der Gruppe und dem Erfahren  des Yoga auf unterschiedlichen Ebenen im Leben. Yoga ist ein Weg der Erfahrung. Eine Yogalehrerausbildung ist für Menschen, die sich noch nicht wirklich mit der Materie auseinander gesetzt haben, in meinen Augen weniger geeignet.

Mir verlangt diese Ausbildung einiges ab. Sie ist herausfordernd in vielen Bereichen. Holldriööö – und das war erst das zweite Wochenende 😀 .

Der Inhalt

Am zweiten Wochenende haben wir die Grundsätze der Yamas & Niyamas  erarbeitet (hier auch mit Augenmerk darauf, was sie für uns als angehende Yogalehrerinnen in Bezug zu unseren SchülernInnen bedeuten und dem Umgang mit dem Yoga im Allgemeinen),  den Ashtanga-Pfad  beschritten und eine Grundlage zu den Themen Mudras, Bandhas und Chakras geschaffen.

Begleitet wurde das Wochenende von einer Kundalini-Kriya mit dem wohlklingenden Namen „Alte Anhaftungen loswerden“.

22770964_1482592788503998_2905222281421514251_o

Das, was auf dem Zettel zu harmlos erscheint, hat es mächtig in sich. Ich glaube am Samstag haben wir sie 3 mal gemacht und Sonntag zwei mal. Die Kundalini-Yogis machen sehr intensive, herausfordernde und auch emotionale Sachen, die bei mir sehr direkt wirken. Großartig! Ich mag das sehr, auch wenn ich drauf und dran war, den letzten Durchgang am Sonntag zu verfluchen 😀 .

22555599_1482592601837350_818073926367996901_o

Ich bin im Übrigen die hinten rechts mit der gelben Matte 😀 !

Dazu durften sich die ersten aus unserer Gruppe im Anleiten von Savasana und Asanas üben 🙂 .

„Ein Haus bedarf fester Fundamente. Ohne die Grundregeln von Yama und Niyama zu praktizieren, die ein festes Fundament für den Aufbau des Charakters bilden, kann es keine einheitliche Persönlichkeit geben. Wenn mann die Asana ohne Yama und Niyama ausführt, sind sie nichts anderes als Akrobatik“. B.K.S. Iyengar

Dieses Zitat, welches auch in unseren Handout zu finden ist, finde ich elementar. Turnst du, oder praktizierst du Yoga…?

Dazu haben wir erarbeitet, was Yoga ist, welchen Hintergrund er hat, welche Yogawege es gibt, was sie beinhalten, wie sie zu verstehen sind und seine Entwicklung bis in die „Moderne“ verfolgt. Hier vor allem die Ausprägungen des Raja-Yoga, dem königlichem Weg, dem auch der Hatha-Yoga, neben dem Kundalini- und Kriya-Yoga zugeordnet ist, und was für Stile im Hatha-Yoga in der Moderne kreiert wurden und werden. Puh.

Da wir uns vorher ausgiebig mit dem Ashtanga, dem Achtfachen Weg, befasst hatten wurde uns schnell klar, dass viele Yoga-Stile, auch in Bezug zum Zitat Iyengars, wenig mit dem zu tun haben, was Yoga ist.

Ebenso wenig wie mit der  Hathayoga-Pradipika – der „Bibel“, dem Leitfaden des Hathayogas.

22555521_1482592668504010_2882321305260885749_o

Sich mit der Komplexität der Sache an sich zu beschäftigen, hat bei mir schon einiges ausgelöst und viele A-HA-Momente geliefert.

Zu den Themen Mudras, Bandhas und Chakras werde ich noch separat was schreiben. Hier nur so viel… Bei dem Thema Chakras am Sonntag war ich so „durch“, dass ich gefühlt nichts mehr verstanden habe LOL 😀 . Dabei finde ich das Thema so toll und möchte es verstehen und erfahren :/ . Mudras und Bandhas – sie sind für mich greifbarer und speziell die Bandhas mir vertraut. Zu den Chakras, den sich entgegengesetzt drehenden Rädern, den „Energiewirbeln“ fehlt mir noch der Bezug, wobei sie mir nicht unbekannt sind.

Für meine Motivation, dieses für mich noch ungreifbare Thema greifbarer zu machen, habe ich mir mal wieder diesen netten Auschnitt aus einer meiner Lieblingsserien angeschaut 😀 😀 😀 . Ich brauche Bilder, auf die ich aufbauen kann.

Das 3. Ausbildungswochenende: Anatomie

Greifbar wird auf jeden Fall unser 3. Ausbildungswochenende werden. Ein Wochenende mit dem lieben Gunnar Tannhäuser  http://elbosteo.de/ , der nicht nur der Osteopath meines Vertrauens ist, sondern mit dem ich auch schon zwei Workshops „erleben“ durfte 🙂 !

Viszerale Osteopathie im Yoga

Thorax und Pelvis – Osteopathie im Yoga

Fazit:

Neben dem bereits Geschriebenen – diese Ausbildung wird mir noch einiges abverlangen und das ist gut so. Das Leben ist nicht einfach (das Auseinandersetzen mit sich selbst ebenfalls teils „schmerzhaft“ und unbequem) – Yoga ist es auch nicht.

Ich bin froh, dass es keine „Einhorn und Feenstaub“-Ausbildung ist, aber davon war ich auch ausgegangen.

Unsere Gruppe, die langsam zu einer schönen Gemeinschaft wird, ist toll und ich fühle mich unglaublich wohl. Ich wünsche mir sehr, dass, auch wenn es im Laufe der Ausbildung für jeden „ungemütlich“ werden wird und der Stresspegel steigt, wir uns trotzdem weiterhin so eine Stütze werden sein können.

22553226_1482592508504026_4869579369800239319_o

Die Art und Weise des Unterrichts finde ich bisher sehr angenehm. Kein Ablesen des Handouts, Vorlesen daraus – sondern aktiv damit arbeiten. Der Unterricht ist sehr ehrlich und direkt.

Was ich so nicht gedacht hätte – unser sonntägliches Sadhana in der Früh ist mir schon nach dem zweiten Mal sehr ans Herz gewachsen und ich empfinde es als große Bereicherung für mich. Die Art und Weise der Einstimmung, die Zeit für mich, finde ich sehr wertvoll.

Wie im Übrigen auch die Tatsache, dass wir in Stille beginnen und nicht morgens plappernd durch die Gegend laufen, bevor der Unterricht beginnt. Klar, ruhig, meditativ.

Die vorher so „unliebsame“ weiße Kleidung, die wir tragen „sollen“, ist ebenfalls schön. Es tut meinen Augen sehr gut in einen Raum zu schauen, in dem „hell“ gekleidete Menschen sitzen oder sich bewegen. Licht und Ruhe an den innerlich bewegenden Tagen. Das Leben ist manchmal schon bunt genug 😉 !

Sat Nam

Fotos: Mit freundlicher Genehmugung von Thomas Kluge (yogalehrerausbildung-hamburg.de)

Über das Verteidigen der Komfortzone – Angenehmes muss nicht gut sein

Momentan ist es bei mir schlimm. Nicht schlimm im negativen Sinne. Ob es an dem Ausbildungswochenende liegt, an meinem Training oder der Yogapraxis, ich weiß es nicht.

Ich beobachte mich derzeit häufiger als sonst dabei, wie ich meine Komfortzone verteidige, oder auch in der Vergangenheit verteidigt habe. Beziehungsweise was ich mir alles, teils zunächst unbewusst, einfallen lasse, damit niemand in sie eintreten oder ich hinaustreten kann. Da werde ich auch ganz subtil in meinen Vorwänden und Begründungen. Dabei dachte ich, ich wäre dafür nicht mehr sooo anfällig. Falsch gedacht.

Autopilot

Gewohnheiten, Routinen, Rituale – sie sind wichtig und haben ihre Berechtigung im Leben. Sie lassen einen „energiesparend“ Dinge verrichten, lassen einen den Weg des geringsten Widerstands gehen, geben Sicherheit und einen stabilen Rahmen, auch wenn die Welt um einen herum manchmal aus den Fugen gerät.

Aber es gibt so Dinge und Momente, da ist dieser „Autopilot“ hinderlich und schlimmer noch, nicht gut, nicht förderlich für mich selbst.

Der Yoga ist eine Wertvolle Hilfe, sich immer wieder neu beoabchten zu lernen. Sei es im Kontakt mit anderen Menschen, Dingen, die geschehen, der eigenen Vergangenheit und dem, was ich daraus gelernt habe (und vielleicht manche Sachen vermeide, die doch gut für mich sind), in Denkstrukturen, Verhaltensmustern, dem Sinn und Zweck von Gewohnheiten, dem Erkennen von dem für mich weniger Förderlichem und dem für mich Förderlichem.

Veränderungen – Altes und Neues reiben sich.

Wenn ich selber merke, dass ich in diesem oder jenem Punkt an mir arbeiten muss, fällt es mir reeeelativ leicht. Es ist meine Entscheidung, ich mache es freiwillig. Meine Selbstdisziplin läuft dann oft auch Hochtouren.

Sagt mir jemand anderes, hey, mach so, mach dies, mach das, denn das ist besser für dich, dann werden die Schilde der Komfortzone erst mal hochgefahren. Okay, die Reaktion ist auch abhängig davon, wer mir etwas sagt. Dann kann auch recht schnell ein gedankliches – danke, stimmt, mach ich – folgen.

Meine letzten Monate waren sehr „arbeitsintensiv“, teils schmerzhaft und anstrengend. Wenn ich so zurückschaue, war es jedoch fast immer „nur“ der Moment der Reibung, des Verlassens der Komfortzone, des vermeintlich schützenden, angenehmen Bereiches. Das Durchbrechen des Schildes. Der Moment, wo es sehr knirscht, sich alles zu wehren versucht, nicht hinaus zu müssen. Unbekanntes, Neues kann einen auch unsicher und ängstlich werden lassen.

Einmal hinausgetreten lief es. Ungewohnt, holprig, anstrengend, manchmal den Blick zurück werfend, aber es war okay und vieles, was mich teils sehr lange hat nicht hinaustreten lassen (und mich trotzdem belastete), hat sich fast in Luft aufgelöst. Freiheit.

Es ist wertvoll Menschen in seinem Leben zu haben, die einem in den Hintern treten. Machen, muss man allerdings selbst.

Danke.

Auch wenn der nächste Punkt fast einen neuen Artikel wert wäre – es ist bestimmt einerseits total schön eine Yogalehrerin/Lehrer zu haben, die/ der einen auf Samthandschuhen trägt, ein Regenbogenlicht aussendet und mit „Herzen um sich wirft“. „Weichspülyoga“. Immer schön achtsam, nicht zu viel, nicht so, damit es „weh“ tut, lasse dieses oder jedes lieber sein, wenn es dir nicht gut tut.

Andererseits – ich weiß, wie ich mir manche Dinge schön rede, ich mich „schütze“, um möglichst leicht aus Situationen raus zu kommen. Wenn ich da immer nur auf mich hören würde, nur so weit, wie es mir gut tut…. Ich kann mich wunderbar selbst belügen.

Bhagavad Gita Kapitel 2 Vers 40:
Bei dieser Bemühung gibt es weder Verlust noch Minderung, und schon ein wenig Fortschritt auf diesem Pfad kann einem vor der größten Gefahr bewahren.

 

Prozesse. Erfahrungen. Yoga.

Dieses ist nicht der von einigen schon erwartete Artikel zum ersten Ausbildungswochenende.

Genau vor einer Woche startete meine Ausbildung. Es waren viele intensive, emotionale, wunderschöne und auch anstrengende Stunden.

Ausbildungswochenende vs. Alltag

Ab Montag hatte mich der Alltag mit all seinen Tücken wieder. Am Wochenende und die Woche über kaum geschlafen – es war viel zu tun, zu erledigen, Unerwartetes „anzunehmen“. Eben noch im „geschützten Yoga-Raum“, zack, wieder mitten im Leben.

Die Woche über dachte ich, boah, Nicole, du „musst“ noch den Artikel fertig machen, wie willst du all das, was wir in den Stunden erlebt und erfahren haben, in für Leser lesbare Worte fassen.

Heute morgen wollte ich starten und stand immer noch vor dem Problem. Tja, nun ist es wieder nicht d e r Artikel geworden, aber dieser hier. Und während ich hier schreibe ist mir die Idee gekommen, wie ich den Blog und die Artikel zu den Wochenenden strukturieren werden. Somit ist alles gut 🙂 .

Struktur

Ich werde in den Artikeln grob umreißen, was ich/wir erlebt haben. So werden die Artikel keine „Bücher“ und lassen sich, so hoffe ich, besser lesen. Wichtiger für mich empfinde ich über die Bereiche die es gilt, nach den Wochenenden zu erforschen, zu lernen, die Entwicklung zu beobachten, die Hausaufgaben, zu schreiben. Prozesse. Was macht die Ausbildung mit mir.

Zeit

Vor mir liegt der Ordner. Unser Handout. Ein Yoga-Kompendium. Da steckt viel Zeit, Geduld, Liebe, Hingabe, Disziplin, Erfahrung und… Wissen drin. Und dennoch ist es nur ein Bruchteil von dem, was gelernt werden möchte, was Yoga ist. Er ist „nur“ eine Basis. Aber eine solide. Stück für Stück darf ich mich nun mit dem Inhalt auseinander setzen, ihn erfahren. Es liegt in meiner Hand.

Sag mir einer, wie so etwas in einer kurzen Ausbildungszeit zu schaffen ist? Schon nach dem ersten Wochenende merke ich, wie wichtig vor allem auch die Zeit zwischen den Wochenenden ist. Raum zum Lernen, zum Anwenden, zum Erfahren…. Das braucht Zeit, Geduld, Liebe, Hingabe, Disziplin…. . Yoga ist (auch) ein Prozess. Es gibt keine Abkürzungen. Die Zeit bis Ende nächsten Jahres erscheint mir gerade sehr kurz.

Ausbildungswochenende vs. Alltag?

Somit ist es gut, wenn nach so einem schönen Ausbildungswochenende mich der Alltag mit einer Keule wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Yoga in der Abgeschiedenheit einer Berghütte, in einer „heiligen Stätte“ – das ist bestimmt schön. Aber der Alltag gibt mir die Chance anwenden zu lernen, mich mit allem auseinander zu setzen, zu wachsen.

Die Wochenenden der Ausbildung und der Alltag – sie gehören zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Und das ist gut so!

Sat Nam.

🙂