Über das Verteidigen der Komfortzone – Angenehmes muss nicht gut sein

Momentan ist es bei mir schlimm. Nicht schlimm im negativen Sinne. Ob es an dem Ausbildungswochenende liegt, an meinem Training oder der Yogapraxis, ich weiß es nicht.

Ich beobachte mich derzeit häufiger als sonst dabei, wie ich meine Komfortzone verteidige, oder auch in der Vergangenheit verteidigt habe. Beziehungsweise was ich mir alles, teils zunächst unbewusst, einfallen lasse, damit niemand in sie eintreten oder ich hinaustreten kann. Da werde ich auch ganz subtil in meinen Vorwänden und Begründungen. Dabei dachte ich, ich wäre dafür nicht mehr sooo anfällig. Falsch gedacht.

Autopilot

Gewohnheiten, Routinen, Rituale – sie sind wichtig und haben ihre Berechtigung im Leben. Sie lassen einen „energiesparend“ Dinge verrichten, lassen einen den Weg des geringsten Widerstands gehen, geben Sicherheit und einen stabilen Rahmen, auch wenn die Welt um einen herum manchmal aus den Fugen gerät.

Aber es gibt so Dinge und Momente, da ist dieser „Autopilot“ hinderlich und schlimmer noch, nicht gut, nicht förderlich für mich selbst.

Der Yoga ist eine Wertvolle Hilfe, sich immer wieder neu beoabchten zu lernen. Sei es im Kontakt mit anderen Menschen, Dingen, die geschehen, der eigenen Vergangenheit und dem, was ich daraus gelernt habe (und vielleicht manche Sachen vermeide, die doch gut für mich sind), in Denkstrukturen, Verhaltensmustern, dem Sinn und Zweck von Gewohnheiten, dem Erkennen von dem für mich weniger Förderlichem und dem für mich Förderlichem.

Veränderungen – Altes und Neues reiben sich.

Wenn ich selber merke, dass ich in diesem oder jenem Punkt an mir arbeiten muss, fällt es mir reeeelativ leicht. Es ist meine Entscheidung, ich mache es freiwillig. Meine Selbstdisziplin läuft dann oft auch Hochtouren.

Sagt mir jemand anderes, hey, mach so, mach dies, mach das, denn das ist besser für dich, dann werden die Schilde der Komfortzone erst mal hochgefahren. Okay, die Reaktion ist auch abhängig davon, wer mir etwas sagt. Dann kann auch recht schnell ein gedankliches – danke, stimmt, mach ich – folgen.

Meine letzten Monate waren sehr „arbeitsintensiv“, teils schmerzhaft und anstrengend. Wenn ich so zurückschaue, war es jedoch fast immer „nur“ der Moment der Reibung, des Verlassens der Komfortzone, des vermeintlich schützenden, angenehmen Bereiches. Das Durchbrechen des Schildes. Der Moment, wo es sehr knirscht, sich alles zu wehren versucht, nicht hinaus zu müssen. Unbekanntes, Neues kann einen auch unsicher und ängstlich werden lassen.

Einmal hinausgetreten lief es. Ungewohnt, holprig, anstrengend, manchmal den Blick zurück werfend, aber es war okay und vieles, was mich teils sehr lange hat nicht hinaustreten lassen (und mich trotzdem belastete), hat sich fast in Luft aufgelöst. Freiheit.

Es ist wertvoll Menschen in seinem Leben zu haben, die einem in den Hintern treten. Machen, muss man allerdings selbst.

Danke.

Auch wenn der nächste Punkt fast einen neuen Artikel wert wäre – es ist bestimmt einerseits total schön eine Yogalehrerin/Lehrer zu haben, die/ der einen auf Samthandschuhen trägt, ein Regenbogenlicht aussendet und mit „Herzen um sich wirft“. „Weichspülyoga“. Immer schön achtsam, nicht zu viel, nicht so, damit es „weh“ tut, lasse dieses oder jedes lieber sein, wenn es dir nicht gut tut.

Andererseits – ich weiß, wie ich mir manche Dinge schön rede, ich mich „schütze“, um möglichst leicht aus Situationen raus zu kommen. Wenn ich da immer nur auf mich hören würde, nur so weit, wie es mir gut tut…. Ich kann mich wunderbar selbst belügen.

Bhagavad Gita Kapitel 2 Vers 40:
Bei dieser Bemühung gibt es weder Verlust noch Minderung, und schon ein wenig Fortschritt auf diesem Pfad kann einem vor der größten Gefahr bewahren.